
Lungenkrebs Screening mittels CT: lebensrettend oder kostentreibend? - Ein Update in 10 Minuten
Dr. Albrecht Breitenbücher
Leitender Arzt, Pneumologie
albrecht.breitenbuecher@ksbh.ch
Erstmals gezeigt: Lungenkrebs Screening ist wirksam
Erstmals wurde in einer randomisierten Studie gezeigt, dass das Lungenkrebs Screening mittels CT bei Risikopatienten die Mortalität vermindert. Kürzlich wurden erste Resultate des National Lung Screening Trials (NLST) veröffentlicht. Dies war eine randomisierte Studie, welche bei über 53'000 starken aktiven oder ehemaligen Rauchern (mindestens 30 pack-years) im Alter von 55 bis 74 Jahren durchgeführt wurde. Die Teilnehmer erhielten entweder ein jährliches low-dose Thorax-CT oder ein jährliches konventionelles Thorax-Röntgenbild. In der Niedrigdosis-CT Gruppe kam es zu einer Reduktion der Mortalität an Lungenkarzinom um über 20% gegenüber dem Thorax-Röntgen-Vergleichskollektiv. Die Gesamtmortalität war um 7% tiefer.
Warum wurde bisher kein Lungenkrebsscreening empfohlen?
Obwohl das Lungenkarzinom mit rund 2800 Toten pro Jahr für die meisten Krebstodesfälle in unserem Land verantwortlich ist, wurde bisher von radiologischen Untersuchungen oder Sputumanalysen zur Früherkennung bei asymptomatischen Personen abgeraten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den 70er Jahren grössere randomisierte Studien mit Thoraxbildern und z.T. zusätzlicher Sputumzytologie negativ ausfielen.
Technischer Fortschritt: das Spiral-CT
Anfangs der 90er Jahre nahm das Interesse am Lungenkrebs-Screening wieder zu, bedingt durch die Einführung des low-dose Spiral-CT, das sich als drei- bis viermal sensitiver als das konventionelle Thoraxröntgenbild erwies. Bis vor kurzem lagen nur die Resultate von einarmigen Machbarkeits-Studien vor, in denen die beiden Techniken am gleichen Kollektiv verglichen wurden. Da mit dem CT die Diagnose möglicherweise nur früher gestellt wird und die Prognose sich nicht ändert, ist jedoch zur Beurteilung des Nutzens eine Reduktion der Mortalität in der untersuchten Gruppe gegenüber einem Vergleichskollektiv relevant. Dies lässt sich nur in randomisierten Studien mit zwei Armen prüfen. Mit der NLST Studie liegt nun erste derartige Studie unter der Leitung des National Cancer Instituts der USA vor.
Weitere Studien im Gange
Noch nicht abgeschlossen sind mehrere kleinere europäische randomisierte Studien (DANTE-Trial, NELSON-Trial, Danish Lung Cancer Group Trial, ITALUNG Trial, LUSI Trial), deren Resultate jedoch nicht vor 2015 zu erwarten sind. Es ist allerdings fraglich, ob die europäischen Studien aufgrund ihrer geringen Grösse die Befunde des NSLT noch umstossen können.
Bedenken gegenüber dem Screening
Vor diesem Hintergrund werden Anfragen von starken Rauchern zur Durchführung von low-dose CTs in der Praxis zunehmen. Es bestehen allerdings verschiedene Bedenken:
- Hohe Wahrscheinlichkeit, dass falsch-positive Befunde erhoben werden. Diese müssen mittels CT nachkontrolliert werden und ein Teil der Teilnehmer muss invasive Folgeuntersuchungen über sich ergehen lassen.
- Falsch-positive Screeningergebnisse führen zu einer unnötigen Beunruhigung der Untersuchten.
- Falsch-negative Befunde können ein falsches Sicherheitsgefühl und eine Verzögerung der Diagnose verursachen.
- Das Risiko einer Krebsinduktion infolge wiederholter CTs ist trotz low-dose Technik nicht zu vernachlässigen.
Noch viele offene Fragen
Auch wenn wir zum Schluss kommen, dass die Evidenz für ein Lungenkrebsscreening genügt, so sind doch noch verschiedene Fragen offen:
- Genügen die Einschlusskriterien, wie sie im NLST verwendet wurden, oder können Risikopatienten noch besser definiert werden?
- Was bedeutet low-dose CT? Können wir diese Technik mit guter Qualität anbieten?
- Welches sind die ökonomischen Konsequenzen für das Gesundheitssystem? Wer bezahlt?
- Wie beeinflusst das Screening unsere Bemühungen, das Rauchen zu vermindern?
- Wie geht man bei positiven Screeningbefunden weiter vor? Wer wird invasiv abgeklärt, wer nur kontrolliert? Wie lange sollten die Kontrollintervalle sein?
Die Resultate der Studien, die Risiken des Screenings und die vielen offenen Fragen werden wir am
19.05.2011 in unserer Klinikfortbildung diskutieren.